
Thyl Ulenspiegel spricht: Wo ist er gelandet, jener Gesprächskreis …
Wo ist er gelandet,
jener Gesprächskreis,
einst so geachtet,
ein Ort des Zuhörens, des Austauschs,
des Ringens um Erkenntnis.
Und nun?
Geblieben ist nur sein Schatten.
Man berief sich auf seinen Geist.
Jemand erklärt sich zum Hüter eines Vermächtnisses,
reißt die Fortführung an sich
und erhebt sich zum Maß aller Dinge.
Er legt sich die Welt zurecht,
meint, die Motive anderer zu kennen,
verwechselt Vermutungen mit Gewissheit
und nennt es Wahrheit.
Doch wehe,
es regt sich Widerspruch.
Dann wandelt sich der Ankläger
zum Opfer,
beklagt den Widerhall,
den er selbst entfacht,
und braucht diese Rolle
wie ein Schauspieler seine Bühne.
Ach,
wie tief kann man fallen.
Doch haltet inne –
es geht noch tiefer.
Ohne Gespür wird ausgeteilt,
Weggefährten werden zu Gegnern,
Verbündete zu Verrätern erklärt.
Brücken brennen.
Vertrauen schwindet.
Immer mehr gehen auf Distanz.
Und dennoch
kein Innehalten,
kein Blick in den Spiegel,
kein Zweifel.
Nur die Gewissheit:
Ich habe recht.
Alle anderen irren.
Da musste Thyl Ulenspiegel lachen.
„Der Geisterfahrer“, sprach er,
ist leicht zu erkennen.
Nicht daran,
dass er gegen den Strom fährt.
Sondern daran,
dass er allen anderen zuruft:
„Ihr fahrt alle in die falsche Richtung!“
Da hielt Thyl den Spiegel vor.
Doch niemand sah hinein.
Also steckte er den Spiegel wieder ein
und ging weiter,
mit einem leichten Lächeln,
das keiner sah.
Mit schelmischen Grüßen,
Euer Thyl Ulenspiegel (getarnt als chronischer Beobachter)
