Kubakrise – Okt 1962

Zusammenfassung der Kubakrise (1962)

Hintergrund:

  • Die Kubakrise war ein 13-tägiger Konflikt im Oktober 1962 zwischen den USA und der Sowjetunion, der die Welt an den Rand eines nuklearen Krieges brachte.
  • Die Krise begann, als US-Aufklärungsflugzeuge sowjetische Mittelstreckenraketen in Kuba entdeckten.

Stationierung von US-Raketen in der Türkei:

  • Vor der Krise hatten die USA Mittelstreckenraketen vom Typ Jupiter in der Türkei stationiert. Diese Raketen waren in der Lage, Ziele in der Sowjetunion zu erreichen, und trugen zur sowjetischen Entscheidung bei, Raketen in Kuba zu stationieren.

Verlauf der Krise:

  1. Entdeckung:
    • Am 14. Oktober 1962 entdeckten US-Aufklärungsflugzeuge sowjetische Raketenbasen im Bau auf Kuba.
  2. Reaktion der USA:
    • Präsident John F. Kennedy informierte die Nation am 22. Oktober und verkündete eine Seeblockade (Quarantäne) um Kuba, um die weitere Lieferung von militärischem Material zu verhindern.
  3. Diplomatisches Tauziehen:
    • Intensive Verhandlungen zwischen den USA und der Sowjetunion begannen. Die Krise erreichte ihren Höhepunkt, als sowjetische Schiffe auf die Blockade zusteuerten, aber schließlich drehten sie ab, um eine direkte Konfrontation zu vermeiden.

Lösung:

  • Geheimer Deal: Nach intensiven diplomatischen Bemühungen einigten sich die USA und die Sowjetunion auf einen Kompromiss.
    • Öffentlich: Die Sowjetunion erklärte sich bereit, die Raketen aus Kuba zu entfernen.
    • Geheim: Die USA versprachen, keine Invasion Kubas zu unternehmen und stimmten zu, ihre Jupiter-Raketen aus der Türkei abzuziehen (dieser Teil der Vereinbarung wurde damals nicht öffentlich gemacht).

Ergebnisse und Nachwirkungen:

  • Deeskalation: Die unmittelbare Gefahr eines Nuklearkrieges wurde abgewendet.
  • Heißer Draht: Ein direkter Kommunikationskanal zwischen Washington und Moskau wurde eingerichtet, um zukünftige Krisen besser managen zu können.
  • Verträge: Die Krise führte später zu verschiedenen Rüstungsbegrenzungsverträgen, darunter der Vertrag über das Verbot von Nuklearwaffenversuchen (Limited Test Ban Treaty) 1963.

Fazit

Die Kubakrise war eine der gefährlichsten Konfrontationen des Kalten Krieges, die die Welt an den Rand eines nuklearen Konflikts brachte. Sie zeigte die Notwendigkeit direkter Kommunikation und diplomatischer Lösungen zwischen den Supermächten und hatte weitreichende Auswirkungen auf die internationale Sicherheitspolitik.


Während der Kubakrise im Oktober 1962 gab es eine Phase, in der das Vertrauen zwischen Präsident John F. Kennedy und den Geheimdiensten, insbesondere der CIA, erschüttert war. Dies ging auf eine Reihe von Vorfällen zurück, einschließlich der gescheiterten Invasion in der Schweinebucht 1961, die von der CIA organisiert wurde und Kennedy in Verlegenheit brachte.

Während der Krise wurde der direkte Kontakt zwischen Kennedy und dem sowjetischen Premier Nikita Chruschtschow zunehmend wichtiger. Es gab verschiedene Kanäle, durch die beide Führer kommunizierten, einige davon inoffiziell und außerhalb der traditionellen diplomatischen Wege.

  1. ExComm (Executive Committee of the National Security Council): Diese Gruppe von Beratern und Regierungsbeamten half Kennedy, die Krise zu bewältigen, und fungierte als ein primäres Gremium zur Erarbeitung von Strategien und Reaktionen. Sie bildete jedoch nicht den direkten Kommunikationskanal zu Chruschtschow.
  2. Robert Kennedy: Der Bruder von John F. Kennedy und damaliger US-Justizminister, Robert Kennedy, spielte eine entscheidende Rolle in der direkten Kommunikation. Er traf sich mehrmals heimlich mit dem sowjetischen Botschafter Anatoli Dobrynin in Washington D.C. Diese Treffen ermöglichten es, Botschaften zwischen den beiden Staatsoberhäuptern zu übermitteln, ohne durch die offiziellen diplomatischen Kanäle zu gehen, die langsamer und weniger vertraulich waren.
  3. Backchannel-Kommunikation: Neben den Treffen zwischen Robert Kennedy und Anatoli Dobrynin gab es auch die Nutzung von backchannel-Kommunikation, was geheime, informelle Kommunikationswege bedeutet. Diese halfen dabei, schnell und diskret Nachrichten zu übermitteln. Ein Beispiel für solch eine backchannel-Kommunikation war der Journalist John Scali von ABC News, der Nachrichten zwischen US-amerikanischen und sowjetischen Beamten übermittelte.
  4. Direkte Briefe und Nachrichten: Kennedy und Chruschtschow tauschten auch direkte Briefe und Nachrichten aus. Ein bemerkenswerter Briefwechsel fand am 26. und 27. Oktober 1962 statt, in dem Chruschtschow vorschlug, sowjetische Raketen aus Kuba abzuziehen, wenn die USA im Gegenzug ihre Raketen aus der Türkei entfernen würden. Diese Briefe wurden als Grundlage für die Verhandlungen genutzt, die letztlich zur Lösung der Krise führten.

Durch diese verschiedenen Kanäle konnte Kennedy eine direktere und vertraulichere Kommunikation mit Chruschtschow aufrechterhalten, was dazu beitrug, Missverständnisse zu minimieren und die Krise zu entschärfen.


Der „Heiße Draht“ oder das „Rote Telefon“ war ein direktes Ergebnis der Erfahrungen und Lehren, die während der Kubakrise gezogen wurden. Die Krise hatte gezeigt, wie gefährlich es sein konnte, wenn es keine schnellen und direkten Kommunikationswege zwischen den Führern der beiden Supermächte gab. Die Verzögerungen und Unsicherheiten bei der Übermittlung von Nachrichten trugen zur Spannung und zum Risiko eines Atomkriegs bei.

Hintergrund des „Heißen Drahts“

  1. Notwendigkeit schneller Kommunikation: Während der Kubakrise waren die Führer beider Nationen darauf angewiesen, Nachrichten durch eine Reihe von Kanälen und Zwischenhändlern zu übermitteln, was zu Verzögerungen und Missverständnissen führte. Dies verdeutlichte die Notwendigkeit einer direkten und sofortigen Kommunikationsverbindung zwischen Washington und Moskau.
  2. Verhandlungen und Implementierung: Nach der Krise begannen beide Seiten, über die Einrichtung einer solchen Kommunikationsverbindung zu verhandeln. Am 20. Juni 1963 unterzeichneten die USA und die Sowjetunion das Memorandum of Understanding Regarding the Establishment of a Direct Communications Link, das die Grundlage für die Einrichtung des „Heißen Drahts“ bildete.

Funktionsweise des „Heißen Drahts“

  • Technologie: Entgegen dem populären Begriff „Rotes Telefon“ handelte es sich ursprünglich nicht um eine Telefonverbindung, sondern um ein Fernschreiber-System. Die Nachrichten wurden über ein sicheres Kabelnetzwerk übermittelt, das von Washington D.C. nach Moskau führte.
  • Testnachrichten: Um sicherzustellen, dass das System stets einsatzbereit war, wurden regelmäßig Testnachrichten verschickt. Diese Nachrichten waren oft belangloser Inhalt, um die Funktionalität zu überprüfen.

Evolution und Nutzung

  • Verbesserungen: Im Laufe der Zeit wurde die Technologie des „Heißen Drahts“ mehrfach aktualisiert. 1971 wurde das System auf ein Satellitensystem umgestellt und später durch moderne Technologien wie Fax und E-Mail ergänzt.
  • Nutzung: Der „Heiße Draht“ wurde in mehreren Krisensituationen genutzt, um Missverständnisse zu vermeiden und direkte Kommunikation zwischen den Führern der USA und der Sowjetunion (später Russland) zu ermöglichen. Beispielsweise kam er während des Jom-Kippur-Kriegs 1973 zum Einsatz.

NachDenkseiten - Gesprächskreis Frankfurt am Main

© 2024 NachDenken in Frankfurt am Main • NachDenkSeiten Gesprächskreis Frankfurt am Main