Lyndon B. Johnson und die Eskalation des Vietnamkriegs

Lyndon B. Johnson und die Eskalation des Vietnamkriegs

Nach der Ermordung Kennedys im November 1963 übernahm Lyndon B. Johnson das Präsidentenamt. Obwohl Johnson zunächst die Politik Kennedys fortsetzte, änderte sich sein Ansatz gegenüber Vietnam im Laufe seiner Präsidentschaft erheblich.

  1. Militärische Eskalation: Johnson erhöhte die Anzahl der US-Truppen in Vietnam erheblich und genehmigte eine Reihe von Bombardierungskampagnen gegen Nordvietnam. Die US-Beteiligung eskalierte zu einem umfangreichen Krieg, der sich stark von der zuvor vorsichtigen Haltung Kennedys unterschied.
  2. Politische Zielsetzungen: Johnsons Administration betrachtete Vietnam als zentralen Schauplatz im Kampf gegen den Kommunismus und glaubte an die „Domino-Theorie“, wonach der Fall eines Landes zum Kommunismus zu einem Ketteneffekt in der Region führen würde. Diese Sichtweise führte zu einer aggressiveren Militärpolitik, die sich stark von Kennedys friedensorientierter Rhetorik unterschied.

Lyndon B. Johnson leitete nach Kennedys Tod eine Reihe von Dokumenten und Maßnahmen ein, die die US-Beteiligung in Vietnam intensivierten. Die NSAM 273 und 288 bestätigten und erweiterten die bestehende Politik, während die Tonkin-Zwischenfälle und die darauf folgende Tonkin-Resolution den rechtlichen und politischen Rahmen für eine massive Eskalation des Konflikts schufen.

  1. National Security Action Memorandum (NSAM) 273 (26. November 1963):
    Dieses Dokument bestätigte Johnsons Unterstützung für die bestehende US-Politik in Vietnam, die unter Kennedy begonnen hatte. NSAM 273 betonte die Notwendigkeit, die südvietnamesische Regierung gegen den kommunistischen Aufstand zu unterstützen und den Druck auf Nordvietnam zu erhöhen.
  2. National Security Action Memorandum (NSAM) 288 (17. März 1964):
    Dieses Memorandum forderte eine verstärkte militärische und wirtschaftliche Unterstützung für Südvietnam. Es legte die Grundlage für eine intensivere Beteiligung der USA im Vietnamkrieg, einschließlich der Möglichkeit, Luftangriffe gegen Nordvietnam durchzuführen, um den kommunistischen Vormarsch zu stoppen.

Tonkin-Zwischenfall (2. August und 4. August 1964)

Offizielle Darstellung der USA

Die offizielle Version der USA besagt, dass am 2. und 4. August 1964 US-Kriegsschiffe im Golf von Tonkin von nordvietnamesischen Torpedobooten angegriffen wurden. Diese Zwischenfälle wurden von der US-Regierung als unprovozierte Angriffe dargestellt, die eine sofortige Reaktion erforderten. Präsident Lyndon B. Johnson nutzte diese Ereignisse, um den Tonkin-Golf-Resolution durch den Kongress zu bringen, die ihm weitreichende Vollmachten zur militärischen Eskalation in Vietnam gab, ohne eine formelle Kriegserklärung einholen zu müssen.

Diese Darstellung diente dazu, die militärische Intervention in Vietnam zu rechtfertigen und erhielt breite Unterstützung von der amerikanischen Öffentlichkeit und dem Kongress. Die Resolution führte zu einer massiven Eskalation des Vietnamkriegs, der schließlich über 58.000 US-Soldaten das Leben kostete und erhebliche politische und soziale Auswirkungen hatte.

Kritische Perspektiven

Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche kritische Stimmen, die die offizielle Version des Tonkin-Zwischenfalls hinterfragen:

  1. Fehlinterpretationen und Übertreibungen: Einige Historiker und Analysten argumentieren, dass die angeblichen Angriffe am 4. August entweder nicht stattgefunden haben oder falsch interpretiert wurden. Entsprechend deklassifizierte NSA-Dokumente deuten darauf hin, dass es keine Beweise für einen zweiten Angriff gab. Diese Ansicht legt nahe, dass die US-Regierung die Zwischenfälle übertrieben oder sogar fabriziert hat, um die Zustimmung für eine militärische Eskalation zu gewinnen.
  2. Politische Manipulation: Kritiker behaupten, dass die Johnson-Regierung den Tonkin-Zwischenfall absichtlich manipulierte, um den Kongress und die Öffentlichkeit zu täuschen und eine Legitimation für den Krieg zu schaffen. Diese Manipulation wird als Beispiel für eine „False Flag“-Operation gesehen, bei der ein Vorfall inszeniert oder übertrieben wird, um politische Ziele zu erreichen.
  3. Zeitgenössische Zweifel: Bereits zum Zeitpunkt des Zwischenfalls gab es innerhalb der US-Regierung und des Militärs Zweifel an der offiziellen Darstellung. Einige hochrangige Beamte und Militärs äußerten intern Bedenken hinsichtlich der Beweise und der Darstellung der Ereignisse. Diese Zweifel wurden jedoch von der Regierung weitgehend unterdrückt.

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