Regimechange deluxe – jetzt mit Nobelpreis-Option

Ein satirischer Kommentar

Ja, jetzt ist es also klar. Der Drops ist gelutscht.
Man braucht wirklich keine kassandraischen Fähigkeiten mehr, um zu wissen, wer als nächstes den Friedensnobelpreis überreicht bekommt: natürlich derjenige, der am lautesten „Frieden“ ruft und gleichzeitig mitten in einen neuen Krieg stolpert!

Die Erosion multilateraler Institutionen, unser geliebtes „westliches Wertesystem“? Das zerlegt sich grad so schön selbst — wie ein IKEA-Regal ohne Anleitung. Und das deutsche Bildungsbürgertum steht da mit offenem Mund und offenen Augen davor und weiß plötzlich nicht mehr, ob es gerade träumt, halluziniert oder einfach nur das Handbuch zum Weltfrieden falsch rum liest.

Waffenlieferungen schaffen Frieden.
Eine Intervention ist schlecht, die andere gut.
Islamisten sind Feinde… aber Moment, dieser Ex-Gesuchte mit $10 Millionen Kopfgeld kriegt jetzt Staatsempfang, Hoffähigkeit und Wiederaufbauhilfe?

Der Überfall auf die Ukraine ist schlecht.
Regimechange in Venezuela ist gut.
Sicherheitsinteressen anderer Mächte sind imperialer Wahnsinn.
Die eigenen strategischen Belange? Verantwortung.

Irans „Mulahs“? Ach, na klar, lasst sie mal wegfegen — weil Waffen und Frieden ja bekanntlich Zwillinge sind. Und wir uns, moralisch überhöht, innerhalb eines selbst geschaffenen „Wertesystems“ bewegen.

Der eine Angriff war ganz furchtbar, der andere ganz hervorragend. Der einen Diktatur treten wir in die Eier, der nächsten klopfen wir charmant auf die Schultern, und wer seine Außenpolitik nicht zwanzig Mal am Tag umschreibt, der hat einfach kein Strategie-Feeling.

Und während Politiker und die Mainstream-Leitmedien sich überschlagen, welcher Narrative nun die größtmögliche Legitimation liefert — vom „präventiven Schutz vor Atomwaffen“ über „Befreiung der Bevölkerung“ bis hin zu „Sicherung von Werten“ — hört man selten ein klares Wort über die Interessen, die da eigentlich gerade über allem stehen. Denn zwischen den Schlagzeilen brodelt die Frage: Geht es nicht einfach nur um Macht, Einfluss und geopolitische Positionierung?

Aber wenn unsere Führungsmacht nebenbei darüber nachdenkt, ob man nicht vielleicht Grönland erwerben könnte – also rein sicherheitspolitisch, versteht sich, ganz im Sinne der transatlantischen Partnerschaft –, dann ist das natürlich kein Expansionismus. Das ist vorausschauende Friedensarchitektur.

Ein Idiot ist, wer das nicht versteht? Vielleicht.
Aber eine Farce wird dadurch noch lange keine Satire.

Gerade hier und jetzt wäre allerdings Diplomatie gefragt. Und moralische Verantwortung.
Vor allem von deutscher Seite.

Ein Land, das maßgeblich zwei Weltkriege zu verantworten hatte, sollte für Eskalationsspiralen eine gewisse Sensibilität entwickelt haben. Es muss sogar unsere historische Pflicht sein, alles daranzusetzen, einen dritten zu verhindern — statt ihn rhetorisch, moralisch oder militärisch mit vorzubereiten.

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