Teure Kunst am falschen Ort 

Frankfurt blickt nach oben – weil der Boden zu deprimierend ist

Halleluja, wir sind gerettet! Frankfurt hat ein neues Heilmittel gegen Dreck, Elend und Kriminalität gefunden: ein 2,3 Millionen Euro teures, buntes Fischernetz. Seit August 2026 schwebt „A Sky Full of Hope“ der US-Künstlerin Janet Echelman über der Konstablerwache. Abends leuchtet es romantisch. Endlich hat die Stadtpolitik verstanden, wie man einen sozialen Brennpunkt saniert: Man hängt einfach eine bunte Decke drüber, damit man das Elend darunter nicht mehr sehen muss.

Die Logik hinter diesem Geniestreich ist bestechend. Warum sollte man auch Geld in Streetworker, Drogenhilfe oder die chronisch maroden Schulen stecken? Das wäre ja nachhaltig und langweilig. Viel schöner ist es doch, im Rahmen der „World Design Capital 2026“ ein millionenschweres Luxus-Accessoire in den Frankfurter Himmel zu hängen. Dass es dafür nicht einmal eine öffentliche Ausschreibung gab, passt perfekt ins Bild: Bei echter Kunst schaut man eben nicht aufs Kleingeld – vor allem nicht, wenn es das Geld der Steuerzahler ist.

Die Ausrede der Stadt, es handele sich ja „nur“ um zweckgebundene Corona-Mittel zur Innenstadtbelebung, ist an Zynismus kaum zu überbieten. Die Botschaft an die Bürger lautet: Das Geld ist da, wir dürfen es nur nicht für das einsetzen, was ihr wirklich braucht. Also kauft euch gefälligst eine Tüte Popcorn, legt den Kopf in den Nacken und bewundert die bunten Polarlichter, während ihr am Boden aufpassen müsst, nicht in die nächste Drogenspritze zu treten.

„A Sky Full of Hope“ ist kein Symbol der Hoffnung. Es ist das teuerste Beruhigungspflaster der Frankfurter Stadtgeschichte. Wenn das Netz in drei Jahren wieder abgebaut wird, bleiben übrigens die Stahlpfeiler stehen – als Schattenspender. Ein schwacher Trost: Wenigstens können sich die Bürger dann im Schatten der politischen Untätigkeit abkühlen.

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