Ein Armutszeugnis für Frankfurts Schulpolitik

Von der Prioritätensetzung im Römer: Wenn die Bundesbehörde lockt, zieht die Bildung den Kürzeren.

FRANKFURT AM MAIN. Es ist ein politisches Desaster mit Ansage, das sich im Frankfurter Gallusviertel abspielt. Wo eigentlich ab dem kommenden Jahr Hunderte angehende Erzieherinnen und Erzieher modernen Raum zum Lernen finden sollten, residiert bald die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). 23.000 Quadratmeter Bürofläche für die Staatsdiener, die bittere Gewissheit des ewigen Provisoriums für die Berta-Jourdan-Schule. Der größte Frankfurter Büromietvertrag des Jahres ist kein Erfolg für die Stadt – er ist ein Offenbarungseid.

Seit Jahren platzt die Berufsschule im Nordend aus allen Nähten. 1.700 junge Menschen, die in Zeiten des eklatanten Fachkräftemangels genau den Beruf erlernen, den diese Gesellschaft so dringend braucht, werden mit Sanierungsstau und Platznot vertröstet. Drei Jahre lang verhandelte Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD), um die Schule im „RAW“-Komplex, der ehemaligen Bahn-Zentrale, unterzubringen. Drei Jahre, in denen im Römer taktiert, gezögert und zerredet wurde.

Das Ergebnis: Der private Investor verlor die Geduld und griff beim zahlungskräftigen Bund zu. Die BaFin zieht ein, die Schüler bleiben draußen.

Besonders unappetitlich ist das anschließende Schauspiel der Frankfurter Koalition. Anstatt sich in Selbstkritik zu üben, schieben sich die Beteiligten gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Weber beklagt lautstark den „fehlenden Entscheidungswillen“ ihrer Partner. Grüne und Volt kontern kühl, das Projekt sei wirtschaftlich unrentabel gewesen und Weber habe keinen „Plan B“ parat gehabt.

Diese Argumentation greift zu kurz und offenbart eine erschreckende Gleichgültigkeit. Wer in Zeiten des Haushaltslochs jeden Euro zweimal umdrehen muss, hat recht. Wer aber drei Jahre verstreichen lässt, ohne eine tragfähige Alternative für eine marode Schule zu entwickeln, hat seinen Job nicht gemacht. Bildung wird in Sonntagsreden gern als „wichtigste Ressource“ bezeichnet. In der Frankfurter Realität wiegt die Unterschrift einer Bundesbehörde auf einem 15-jährigen Mietvertrag schwerer als die Zukunft der sozialen Infrastruktur.

Nun wird das ehemalige Postbank-Gebäude in Eckenheim als Rettungsanker ins Spiel gebracht. Eine Immobilie, die eigentlich als dringend benötigtes Ausweichquartier für andere Schul-Sanierungen dienen sollte. Das Loch, das hier gestopft wird, reißt an anderer Stelle das nächste auf.

Die Berta-Jourdan-Schule fängt nun wieder bei null an. Die Leidtragenden dieses bürokratischen Schneckentempos sind die Schüler und Lehrkräfte. Frankfurt sendet damit ein fatales Signal an die Jugend: Für den Finanzplatz ist Platz, für die Bildung nicht.

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