Der Artikel von Peter Biebel ist erschienen bei dem NachDenkSeiten-GK Darmstadt am 24.6.2026

Ein gleichlautender Aufmacher füllte am 20. Juni 2026 im „Darmstädter-Echo“ fast eine halbe Seite, versehen mit dem Untertitel: Die AfD-nahe prorussische Initiative „Druschba“ will einen Vortrag auf dem Gelände von Blau-Gelb Darmstadt halten – ohne Wissen des Vereins. Der spricht von „Vertrauensbruch“
Der Artikel erschien am gleichen Tag morgens, an dem die Veranstaltung von „Druschba Global“ im Restaurant „Die Kraniche“ stattfand. Das völlig aus dem Kontext ausgesuchte, aber als Aufmachung gut geeignete Bild …
… und der Inhalt des Artikel lassen ein Muster erkennen, das schon in der „Internationalen Enzyklopädie für den Ersten Weltkrieg“ beschrieben wurde: „Die überwiegende Mehrheit der deutschen und österreichischen Zeitungen und Journalisten war bereit, ihre Rolle im Krieg zu spielen, den sie nicht nur als Information der Öffentlichkeit, sondern auch als patriotische Bildungsarbeit sahen.“
„..ohne Wissen des Vereins.“
Eine solche Formulierung bezieht sich auf alle Mitglieder des Vereins, nicht nur den Vorstand. Ob wirklich sämtliche Vereinsmitglieder nichts gewusst haben, ist im Zeitalter von ungebremster Smartphonnutzung zweifelhaft. Kommt hinzu, dass die Betreiber des Lokals einen Tag VOR der Veranstaltung den Sportverein sehr wohl über diese Veranstaltung unterrichteten hatten und sie sogar einluden, daran teilzunehmen. Es ist nicht bekannt, ob jemand vom Verein teilgenommen hat.
„Der spricht von „Vertrauensbruch.“
Hier steht die Frage im Raum: Wer hat in Bezug auf Informationen welche Bringpflicht und wer hat welche Holschuld? Tatsache ist: Aus dieser Veranstaltung wurde nie ein Geheimnis gemacht. Ganz im Gegenteil, sie wurde schon seit mehreren Wochen öffentlich beworben, z. B. von „Druschba Global“ selbst, aber auch von den NachDenkSeiten in Frankfurt. Inwieweit die Restaurantbetreiber verpflichtet sind, Veranstaltungen – gleich welcher Art – vor ihrer Durchführung dem Verein anzuzeigen, ist Sache der Vereinbarung beider Vertragsparteien (Pächter und Verpächter) bei Abschluss des Pachtvertrags. Dass der Sportverein jetzt, wo diese Schmutzkampagne vom „Darmstädter Echo“ losgetreten wurde, aus Angst eine Abwehrhaltung einnimmt, ist verständlich – wenngleich nicht gerade mutig.
Insgesamt erinnert dieser Vorgang an verdächtige Parallelen zu einer Schmutzkampagne der „BILD“-Zeitung Ende 2024 gegen die Evangelische Michaelsgemeinde in Darmstadt. In dieser hatte das Springer-Blatt mit der Reporterin Claudia Detsch die Gemeindevorstandsmitglieder und den Pfarrer nach Durchführung des „Antikolonialen Friedensweihnachtsmarktes“ mit Antisemitismusvorwürfen überzogen. Ob zutreffend oder nicht, wurde erst gar nicht geprüft. Und jetzt, in diesem Fall, wurde sogar schon VOR der Veranstaltung agitiert, frei nach dem Motto: Erstmal mit Dreck werfen, irgendetwas bleibt schon hängen. Denn wozu sonst sollte ein solcher Artikel dienen? Als Information ganz sicher nicht, denn diese wäre nach der Veranstaltung zu bringen gewesen, von einem guten Reporter ausgewogen und neutral. Und so stellt man sich die Frage: Will sich da jemand profilieren?
Den beiden Initiatoren der Russland-Reisen, Reinhold Groß und Inge Moser, wird AfD-Nähe unterstellt. Dies deshalb, weil der Bundestagsabgeordnete Dr. Rainer Rothfuß die “Druschba“-Initiative gegründet hat. Einige Zeilen weiter wird Rothfuß als „kremelnah“ diffamiert, als einer, der mit Medien zusammen arbeite „die Verschwörungstheorien und Propaganda verbreiten.“ Das ist Jargon der dunklen Seite der WIKIPEDIA. Rothfuß studierte von 1991 – 1998 an der deutschen Elite-Universität in Tübingen, promovierte dort 2006 an der Geowissenschaftlichen Fakultät und hatte von 2009 – 2015 die W1 Professur für Politische Geographie und Entwicklungsforschung inne. Am 15. Dezember 2014 hielt der Schweizer Friedensforscher Dr. Daniele Ganser auf Einladung von Dr. Rainer Rothfuß an seiner Universität einen Vortrag, gegen dessen Ende (etwa bei Zeitpunkt 1:24:25) Ganser beschreibt, wie die Uni Tübingen auf seine Einladung reagierte. Ganser führt aus, dass es letztlich nur Rothfuß zu verdanken war, dass er den Vortrag überhaupt halten durfte und bedankt sich bei diesem ausdrücklich. 2015 war Rothfuß dann nicht mehr an der Uni.
„Druschba Global“ organisierte schon vor der Liaison mit Rothfuß deutsch-russische Freundschafts- und Friedensfahrten. So kann man der Internetseite entnehmen: „Bereits 2005 organisierten wir unsere erste Reise nach Rußland. Mit dem Flugzeug über Moskau nach Krasnodar, von dort mit einem Kleinbus an das Schwarze Meer.“
Weitere Recherchen hier und hier zeigen, dass „Druschba Global“ ab 2018 Reisen wieder selbst plante und organisierte, und dass Rothfuß erst zu diesem Zeitpunkt in die AfD eintrat. Doch auch wenn er zum engen Kreis von „Druschba Global“ gehört, was hat das mit AfD-Nähe zu tun? Die Wahrheit wird wohl sein, dass – hoffentlich – gute zwischenmenschliche Beziehungen zwischen Rothfuß, Moser & Groß bestehen, denen die so oft berufene „Brandmauer“ am Hintern vorbei geht. Nur weil sich Rothfuß irgendwann entschieden hat, die Partei von der CSU zur AfD zu wechseln, muss das noch lange nicht heißen, dass „Druschba Global“ ab sofort AfD-nah ist. Einen solchen Keil in die Gesellschaft zu treiben, das wünschen sich so manche der herrschenden Klassen – mit freundlicher Unterstützung des ihnen gewogenen Gesinnungsjournalismus.
Zur russischen Motorradgruppe „Nachtwölfe“:
Das „Darmstädter Echo“ schreibt weiter: „Ein Foto zeigt den Politiker im Jahr 2017 bei einer der „Friedensfahrten“ im Gespräch mit Alexander Saldostanow, Chef der rechtsextremen russischen Motorradgruppe Nachtwölfe.“ Ja, es wurden während des Vortrags Bilder mit dieser Motorradgruppe gezeigt. Und was ist daran verwerflich? Von wem sonst bekommen wir Bilder zu sehen, die uns öffentlich-rechtliche Leitmedien vorenthalten. Keines dieser Bilder hatte irgendetwas mit Politik zu tun, genauso wenig wie die restlichen gezeigten. Aber immer wieder wird gerne die Karte der „rechtsextremen russischen Motorradgruppe“ gespielt. Doch was ist – im Sinne eines gepflegten Whataboutism – mit den vergleichbaren OMG’s (= Outlaw Motorcycle Gang) in den USA? Um Informationen über sie zu finden, muss man schon tiefer kramen, aber man findet sie. (siehe: Strange link between violent motorcycle gangs and the US military)
Wie diese Gangs in den USA strukturiert sind und insbesondere auf welch geistigem Niveau sie sich befinden, darüber schweigt der transatlantischen Presse Höflichkeit. Wir Zuhörer des Vortrags in Darmstadt wissen aber jetzt, dass ca. 80% der russischen Biker Akademiker sind.
Man fragt sich abschließend schon, ob sich der Verfasser des Artikels im „Echo“ jemals einen Vortrag bei „Druschba Global“ selbst angehört hat. Insgesamt kommt es einem so vor, als wäre hier jemand vom Journalisten zum Aktivisten geworden. Wer das tut, sollte die Redaktionsstuben eines Pressehauses verlassen und einer NGO beitreten.

